Argumente gegen B3-Ortsumfahrung

Was spricht gegen die B3 Ortsumfahrung Schallstadt?


Die hohen Kosten und die ungeklärte Finanzierung:

1. Die B3 gehört zu den autobahnparallelen Bundesstraßen, die keine Fernverkehrsfunktion haben und abgestuft werden sollen.

Die B3 Umfahrungen Schallstadt und Norsingen (beide Teil der sogenannten Schlingenlösung) wurden deshalb im Jahr 2003 aus dem Bundesverkehrswegeplan herausgenommen. Sie wurden bis zu diesem Zeitpunkt unter „weiteren Bedarf“ mit zu erwartenden Kosten von 40,8 Mio. € geführt.
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Abstufung autobahnparalleler Bundesstraßen/1 (JPG / 1,11 MB)
 
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Abstufung autobahnparalleler Bundesstraßen/2 (JPG / 1,06 MB)

Seitens des Bundes gibt es für diese Baumaßnahmen überhaupt keine Finanzierungsgrundlage mehr.

2. Laut Aussage des Bundesverkehrsministeriums müsste das Land Baden-Württemberg die B3 Umfahrung Schallstadt finanzieren. Laut Innenministerium müsste das Land dafür 3,2 Mio. €, das sind mehr als zwei Drittel der geschätzten Kosten von 4,7 Mio €, tragen. Der Rest von 1,5 Mio € sind dem Land angeblich zugesagte Bundesgelder.
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Innenministerium zu Anfrage von B 90 Die Grünen (PDF / 49,47 KB)

3. Das Innenministerium rechtfertigt sein Festhalten an der Umfahrungsplanung und die Kostenübernahme durch das Land mittlerweile damit, dass das Land durch den Bau der B3 Umfahrung Schallstadt Geld einsparen könne. Sonst müsse die L125 früher oder später auf Landeskosten dreistreifig ausgebaut werden. Plenarprotokoll des Landtags (Seite 2430-2431) Dabei bleiben die Kosten für die dann ebenso notwendige Umfahrung von Norsingen vollkommen unberücksichtigt. Für sie müsste die DB-Trasse zweimal gekreuzt werden. Kosten in zweistelliger Millionenhöhe werden erwartet (s.o.). Die Kosten-Nutzen-Analyse erlaubt diese Baumaßnahme nicht.

 

Die straßenplanerisch fachlichen Aspekte:

1. Der Verkehr zwischen Freiburg und Bad Krozingen verteilt sich in einem Korridor von 4 km hauptsächlich auf drei parallel verlaufenden Verkehrstrassen: die A5, die B3 und die L125.

Bad Krozingen bekommt eine Ost-Umfahrung, die direkt auf das Schneckental zielt. Aus fachlicher Sicht ist deshalb die Weiterführung über die bereits bestehende Schneckentaltrasse bis zur 4-spurigen B 3 nördlich von Schallstadt sinnvoll (direkt und ohne Ortsdurchfahrten). Dies wurde auch mehrfach aus dem Innenministerium so geäußert. Noch im Jahr 1997 vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens für die Umfahrung von Bad Krozingen weist das Innenministerium in einem Schreiben darauf hin. Die Umfahrung Bad Krozingen sei vom Netz betrachtet erst sinnvoll bei einer Verlegung der B3 auf die sogenannte Schneckentaltrasse, da ansonsten der Durchgangsverkehr einen Umweg von ca. 3 km im Vergleich zum heutigen Verlauf in Kauf nehmen müsse. Eine entsprechende vorherige Realisierung (Ausbau der L125) der nördlichen Abschnitte wird als Voraussetzung gesehen für die Umfahrung von Bad Krozingen.
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Übersichtsskizze Schlingenlösung (JPG / 121,03 KB)

2. Entgegen immer wieder geäußerter anderslautender Behauptungen wird auch eine „nur“ 6,50 m breit ausgebaute L 125 nach Fertigstellung der Umfahrung Bad Krozingen die B3-Ortsdurchfahrten deutlich entlasten. Sie ist – wie andere Beispiele im Land zeigen – in der Lage, weit über 20 000 Kfz inklusive Lkw aufzunehmen. 
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Landstraßenbreite 6,50 m, L1144 Aldingen (JPG / 112,26 KB)
 
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Übersicht Aldingen (JPG / 177,33 KB)
 
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Planskizze 1144 (JPG / 190,47 KB)
   Die Lärmschutzmaßnahmen auf dieser außerörtlichen Straße wurden zum Schutz der Gemeinde Pfaffenweiler optimiert und über die Norm erfüllt.

3. Die Gemeinde Schallstadt würde zusätzlich zur Ortsdurchfahrt, der Bahntrasse und der L125 mit einer weiteren Verkehrstrasse in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung belastet und dies in Sichtweite zur Ortsdurchfahrt. Die Folge wäre eine deutliche Zunahme des Gesamtverkehrsaufkommens, darunter vor allem einem weit höheren Lkw-Anteil als heute. Obwohl aktiver Lärmschutz vorgesehen ist, könnten nicht überall die Grenzwerte eingehalten werden.

Dieser Mehrverkehr würde mangels eigener Umfahrung auf lange Sicht - wenn nicht für immer - mitten durch die Gemeinde Norsingen fließen.


Die jeder Straßenplanung zugrunde gelegten allgemeinen Vorgaben:

1. Bedarfsnachweis: Der zwischen 2001-2015 prognostizierte jährliche Verkehrszuwachs auf der L125/B3 ist bis heute nicht eingetreten. Der dem Straßenneubau zugrunde gelegte Bedarf liegt im Falle der B3-Umfahrungen nicht vor.

2. Die Vorgaben

  •  Ausbau vor Neubau
  •  Schonung von Natur und Landschaft
  •  Flächeneinsparung
  •  Minimierung der Flächenversiegelung
  •  Berücksichtigung der Kosten-Nutzen-Analyse zur Verhinderung unnötiger Ausgaben

nach denen sich jede Straßenplanung auszurichten hat, lassen - vor allem da es Alternativen gibt - die B3 Umfahrungen Schallstadt und Norsingen nicht zu.


Die Tatsachen:

Das vorliegende Straßennetz ist ausreichend und muss nur sinnvoll genutzt werden. Trotzdem wollen die verantwortlichen Behörden zusätzlich zum Ausbau der L125 östlich des Batzenbergs den Gemeinden Schallstadt und Norsingen westlich des
Batzenbergs zwei Umfahrungen aufzwingen. Mit der Bezeichnung „Konzept der gerechten bzw. gleichmäßigen Verkehrsverteilung“ soll diese fachlich unsinnige Verkehrsplanung „verkauft“ und konsensfähig gemacht werden.

Auf Schallstadter Gemarkung verlaufen jedoch schon die Autobahn (BAB 5), die B3, die Nord-Süd-Hauptverkehrsachse der Deutschen Bahn (Rheintalbahn) sowie die L125, und dies großteils direkt oder in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung, verbunden mit nicht unerheblichen Lärmemissionen. Die DB plant auf der Gemarkung Schallstadt das 3. und 4. Gleis und nach wie vor die Ertüchtigung der Rheintalstrecke mittels Batzenbergtunnel.

Eine „gerechte Verteilung“ der Verkehrslasten kann nicht bedeuten, dass Schallstadt wie geplant eine weitere Hauptverkehrs-Trasse in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung aufgebürdet bekommt. Dies kann höchstens ohne jede weitere Straßenbaumaßnahmen auf der Gemarkung Schallstadt und mit alternativen verkehrsplanerischen Maßnahmen, die jederzeit umgesetzt werden können, erreicht werden.

Die autobahnparallelen Verkehrswege müssen sicher, dürfen aber nicht zu attraktiv sein. Der Verkehr muss fließen können, d.h. keineswegs, dass er schneller werden soll. Anstatt durch Ertüchtigung der B3 (dem Bau zusätzlicher Umfahrungsstraßen) mehr und mehr Verkehr - darunter besonders den stark belastenden Lkw-Verkehr - von der Autobahn anzulocken und bewusst an und in die Dörfer rund um den Batzenberg zu lenken, muss ein anderer Weg eingeschlagen werden.

Der erste Schritt in dieser Richtung ist mit dem moderaten, nur
zweispurigen Ausbau der L125 bereits erfolgt.


Es gibt ein sinnvolles Alternativkonzept:

Die Ortsdurchfahrten von Schallstadt und Norsingen können durch verkehrslenkende und verkehrsbeschränkende Maßnahmen wie Tonnagebeschränkung für den Lkw-Transitverkehr und generelle Temporeduzierung auch ohne zusätzliche Umfahrung verkehrsberuhigt werden. Dies ist kostengünstig, umweltverträglich und vor allem zeitnah möglich. Nur dadurch kann der Gesamtverkehr rund um den Batzenberg minimiert werden. Ist der Lkw-Durchgangsverkehr erst einmal dauerhaft aus denn Ortsdurchfahrten verbannt, kann und sollte die Tonnagebeschränkung auch auf das Schneckental (L125) ausgedehnt werden, um Ausweichverkehr zu vermeiden. Der Lkw-Transitverkehr gehört zum Schutz der gesamten Wohnbevölkerung auf die parallel verlaufende Autobahn und muss auch dauerhaft dort verbleiben.

Das ist die zukunftsorientierte Alternative zum Straßenneubau, die sich zwischen Freiburg und Bad Krozingen geradezu aufdrängt, denn sie greift zurück auf das vorhandene Straßennetz und berücksichtigt auch neue Erkenntnisse in der Verkehrsplanung sowie entsprechende Erfordernisse der heutigen Zeit. 
PDF / 78,58 KBJoseph Michl
Brauchen wir noch neue Straßen? (PDF / 78,58 KB)

 

Termine

Hauptversammlung

Mittwoch, 6. Juli 2016

Tagesordnung entnehmen Sie bitte dem Mitteilungsblatt. Die Mitglieder erhalten eine schriftliche Einladung.